Opera 11 – Ein kleiner Erfahrungsbericht

Nachdem mir nun schon der zweite Freund vom neuen Opera 11 vorgeschwärmt hat (an dieser Stelle Grüße an Daniel und Marc!), habe ich mir wirklich mal die Zeit genommen und mir den Browser mal genauer angeschaut.

Positive Aspekte
Opera 11 startet genau so schnell wie Chrome oder Chromium und ist auch während des Arbeitens angenehm flink. Deutlicher Pluspunkt, der ihn auch von der trägen Ente Firefox abhebt!
Nach ein paar Klicks hatte ich dann auch eine Sidebar, die ich unter Chromium schmerzlich vermisse. Für mich ein Vorteil gegenüber dem Google-Browser.
In der Lesezeichen-Sidebar gibt es einen Papierkorb für Lesezeichen. Ein sehr Feature, was aber nicht kriegsentscheidend sein soll!
Gleichsam nett ist das Tab-Stacking, die Möglichkeit verschiedene Tabs zusammenzufassen und somit Platz in der Tabulatorleiste zu sparen. Doch weiß ich nicht, ob das der Übersichtlichkeit nicht eher zum Gegenteil gereicht ist. Das System der „pinned“ Tabs gibt es auch in Chrom[e|ium].
Richtig nützlich finde ich dagegen die Notiz-Funktion! Sehr nett, auch wenn ich das auf Betriebssystem-Ebene mit Xpad gelöst habe! Ich muss mal schauen, wenn man die Notizen über mehrere Opera-Instanzen synchronisieren kann, wäre das ein Killer-Feature!
Als ich dann den ersten Text über Opera veröffentlicht habe, fiel mir positiv auf, dass hier die Rechtschreibprüfung immer aktiv ist. Chromium scheint hier „optimiert“ zu arbeiten und überprüft die Orthografie nach einem mir nicht bekannten Verfahren…
Doch die wohl herausragendste Eigenschaft an Opera ist wohl Opera Unite! Durch diesen Dienst ermöglicht es dem – weniger IT-erfahrenen – Benutzer, Serverdienste auf dem lokalen Rechner auszuführen. Zum Beispiel kann man über Opera Unite ein bestimmtes Verzeichnis für File-Sharing freigeben. Natürlich Passwort geschützt (;
Oder man kann anderen Nützern erlauben, Dateien auf dem eigenen Rechner abzulegen. Wer seine eigene Webseite hosten will, kann das auch über einen bestimmten Service machen.
Richtig nützlich finde ich die Funktionen zum Streamen von Multimedia-Inhalten über das Internet. Doch will ich wirklich meinen Rechner daheim laufen lassen, wenn ich auf der Arbeit meine Musik hören will?

Negative Aspekte
Direkt zu Beginn der Killer: Opera kann kein WebGL! Doch da muss ich zugeben, das kann nicht mal mein aktueller Chromium. Dennoch schade, ich würde mir ja schon gerne mal den Google Bodybrowser anschauen (;
Bei Facebook ist mir auch eine kleine Unschönheit in der Darstellung aufgefallen

Auf Youtube hatte ich bei HTML5-Videos genau so hohe CPU-Auslastung, wie mit dem Flashplayer. Das ist schmerzlich! Und richtig nervig finde ich es, dass direkt ein Kontext-Menü aufgeht, wenn ich einen Text mittels Doppelklick markiere!
Die von einigen hochgelobte UI finde ich eher mäßig. Die Menüs sind ziemlich überladen, man muss viele Optionen erst manuell aktivieren. Zum Beispiel, dass die Lesezeichen manuell sortiert werden sollen, und nicht alphabetisch. Oder dass die Adressleiste nicht wichtige Parameter in der URL verschluckt.
Außerdem: Warum hat Opera ein Tray-Icon und warum kann ich das nicht deaktivieren?
Mit Opera 11 haben nun auch endlich Extensions Einzug in den Browser gefunden. Eigentlich peinlich, dass das so lange gedauert hat und bei Firefox und Chrom[e|ium] von Anfang an Standard war. Entsprechend ist der Market mit Erweiterungen noch recht klein und einige Erweiterungen scheinen noch nicht richtig zu funktionieren. Zum Beispiel der Adblocker, der einige Werbung nicht unterdrückt und mir nicht erlaubt, die Preferences zu öffnen.

Unbeachtete Aspekte
Für mich sind manche Komponenten von Opera gänzlich uninteressant und unnötig. Sie bieten meiner Meinung nach keinen Vorteil, aber auch keinen Nachteil zu anderen Browsern. Zum Beispiel die Mausgesten. Ich bin Vim-User, wenn es nach mir ginge, würde ich den Browser am liebsten vermehrt mit der Tastatur steuern wollen!
Auch das Widget-System entzieht sich gänzlich meinem Verständnis. Warum soll ich mir eine Uhr oder ein Aquarium in meinem Browser „installieren“?
Und ich bin Vertreter von: „One Task, One Tool“. Ich will einen Browser, um im Internet zu surfen. Da brauche und will ich keine eMail-Funktionalitäten, wenn ich einen Standalone-Client habe!

Doch unterm Strich bin ich doch positiv überrascht! Sicherlich ist es wieder eine kleine Umgewöhnung in der Handhabung, sowohl im Browser selber, wie z.B. auch im Backend von WordPress. Aber so eine Umstellung hat man immer, wenn man von seiner gewohnten Software auf eine alternative wechselt.
Ich werde Opera wohl noch ein paar Tage als meinen Standardbrowser testen. Ob ich gänzlich umsteige, weiß ich noch nicht. Für gewisse Aufgaben werde ich ihn aber auf jeden Fall auf der Platte lassen und auf Opera Unite zurückgreifen!

Update: Gerade habe ich zwei Dinge gefunden, die ein K.O.-Kriterium für Opera sind:
Bei der Dateieingabe über mehrere Formulare zerschießt mir der Browser die Session-Integrität, weil ich beim Drücken von Backspace in der Browser-History einen Schritt zurückgehe, wenn ich nicht in einem Text-Feld bin. Böse! Das hat mich eben mindestens drei Versuche gekostet!
Und das nächste ist: Scheinbar kann Opera nicht richtig mit TiddlyWiki umgehen. Und dieses kleine Notizbuch brauche ich unbedingt!

http://www.opera.com/

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