Leichte, grafische Twitter-Clients unter Linux

Wieder mal begebe ich mich auf die Suche nach einem passenden Twitter-Client unter Linux. Gwibber ist mächtig und kann nicht nur Twitter, sondern auch andere Microblogging-Dienste. Doch dafür ist das Monster auch zäh und träge. Eine leichtgewichtige Alternative muss her!

Als Gnome-Nutzer fällt Choqok mit seinen KDE-Abhängigkeiten für mich flach. Mein ganz alter Favorit Twitux schein nicht mehr in den Quellen von Ubuntu zu existieren. Wird das Projekt eigentlich noch gepflegt, oder ist es durch GTK3 gestorben?

Pino – Eigentlich ein sehr schöner, schmaler Twitter-Client, den ich vor einer gefühlten Ewigkeit schon mal richtig gut fand. Leider hat die Version aus den Ubuntu-Quellen (0.2.11) den Anschluss an OAuth verpasst und funktioniert nicht mehr. Neuere Versionen mit funktionierender Authentifikation aus dem 0.2er Branch oder gar die aktuelle 0.3er-Reihe, sind leider nicht in die Repositorys gekommen. Daher leider unbrauchbar.

Qwit – Qwit kann Plain-Text und OAuth-Anmeldung, wobei letztere ohne große Probleme funktioniert. Die Option zur Verwendung von https ist ein nettes Gimmick. Man kann aus einer Reihe von URL-Shortenern auswählen, aber leider keinen eigenen hinzufügen. Benachrichtigungen können über qt, kdialog oder libnotify erfolgen. Auch die weiteren Einstellungen von Farben, Sprache und diversen anderen kleinen Stellschrauben sind sehr positiv. Das UI zeigt sich aufgeräumt und übersichtlich. Was mich aber sehr stört: Man kann die Benachrichtigungen nicht einschränken. Ich bekomme für jeden Tweet in meiner Timeline einen Hinweis. Das nervt, ich will nur Mentions und Direct Messages proaktiv bekommen, den Rest lese ich bei Bedarf, Interesse und Zeit.
Außerdem ist Qwit eine qt4-Anwendung, was vielleicht manchem Toolkit-Dogmatiker nicht unbedingt schmeckt.

Turpial – Ein sehr schmaler Twitter-Client in Python geschrieben. Die Anmeldung erfolgt einfach per Username und Passwort direkt nach dem Start der Applikation. Timeline und Mentions funktionieren ohne große Probleme. Bei den Direct Messages steht hingegen „Hey, Anzahlgrenze von API-Abrufen erreicht!“ – Obwohl mir in der Status-Leiste deutlich angezeigt wird, dass ich noch fast alle API-Aufrufe habe. Da liegt wohl noch ein kleiner Bug vor…
Etwas ungewohnt ist es, dass man zum verschicken von Nachrichten erst einen neuen Dialog öffnen muss. Für das Hochladen von Bildern muss ein anderer Dialog geöffnet werden. Dafür gibt es Hilfsmittel um URLs zu kürzen, schnell einen Usernamen aus der Feundesliste in einen Tweet einzufügen (Autocomplete beim Tippen klappt nicht).
Bei den Optionen kann man Aktuallisierungsintervalle für die einzelnen Spalten einstellen, wobei auch die voraussichtlichen API-Abrufe direkt berechnet und angezeigt werden. Für jede Spalte können Benachrichtigungen aktiviert, Dienste für URL-Shortening und Bilder-Upload ausgewählt und Benutzer stummgeschaltet werden. Wenn man das schmale Layout des Programms nicht mag, kann man auch in einen „Breit-Modus“ wechseln, wo die Spalten nicht als Tabs, sondern nebeneinander angezeigt werden.
Neue Tweets in der Timeline werden farblich hervorgehoben, so dass man immer den Überblick behält. Was mir persönlich noch etwas fehlt, ist die Unterstützung mehrerer Accounts.

Auch wenn Twitter mal so richtig hip war, und es angeblich so viele Clients dafür gab, sieht die aktuelle Situation – zumindest für Linux – ziemlich mau aus. Besonders die Standard-Quellen von Ubuntu zeigen sich sehr überschaubar mit gerade mal Gwibber, Choqok, Pino, Qwit und Turpial. Doch ich will nicht möppern, sondern erstmal Turpial verwenden. Mal sehen, wie sich das Tool nach ein paar Tagen in der Praxis bewährt…

Update: Mittlerweile habe ich mir auch Hotot und Polly angesehen

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LXDE – ein schlanker Desktop für alte Möhren

Der ein oder andere Freund und Kollege hat mich bereits ausgelacht. Ich bin Anwendungsentwickler und haben einen Rechner, der mittlerweile historischen Wert haben könnte! Eine sieben Jahre alte Möhre, Einkern-Prozessor mit 1,6 GHz (auch nur Dank Übertaktung) und gerade mal einem Gigabyte an RAM ist schon etwas schwachbrüstig für moderne Desktop-Umgebungen. (Wer noch etwas mehr lachen will: Ich habe sogar noch eine Maus mit Kugel im Einsatz!)

Aber es geht hier nicht um die absurde Hardware-Konstellation, sondern darum, wie ich aus diesem historischen Gerät doch ein brauchbares Arbeitsinstrument gemacht habe!
Bisher habe ich immer das aktuelle Ubuntu-Linux, also zuletzt die 10.04 mit dem entsprechenden Gnome-Desktop auf der Kiste gehabt. Aber das Arbeiten wurde immer unerträglicher, der Browser hat Ewigkeiten zum Starten gebraucht, der Wechsel zwischen den Desktops war träge, das Rippen von CDs hat die komplette Kiste lahm gelegt, u.s.w.
Da ich früher auf meinem eee schon mal eeeXubuntu drauf hatte, habe ich mir die XFCE als Oberfläche installiert. Doch auch hier war kein großer Geschwindigkeitsvorteil zu vermerken. Nach etwas Recherche bin ich dann aber auf LXDE gestoßen!

LXDE ist ein verdammt schneller Desktop mit Openbox als Fenster-Manager. Neben dieser schmalen und wirklich schnellen Darstellung gibt es auch ein paar leichtgewichtigere Programme, die den Desktop komplettieren sollen: ein eigenes Panel, als Datei-Browser den PCManFM, GPicView als Bildbetrachter und Leafpad als Editor.
Sicherlich muss man in dieser Konstellation kleine Abstriche machen. Leafpad kann keine Tabs oder Rechtschreibprüfung und PCManFM erlaubt mir kein Drag’n Drop aus einem gepackten Archiv (wobei das auch der einzige Einschnitt an dem Programm ist). Dafür flitzen die Sachen wirklich wie Hölle! Und wem der Umfang dieser Anwendungen nicht reicht, kann auch ohne Probleme jede andere GTK-Applikation unter LXDE verwenden.

Nun habe ich meine verwendete Software etwas umgestellt, um einen weiteren Performance-Gewinn zu erzielen.

Browser: Früher war ich großer Verfechter des Firefox. Doch das Teil frisst wirklich unglaublich viel Speicher und ist sowohl beim Start, wie auch beim Surfen relativ träge. Die Linux-Browser Midori oder Epiphany entbehren sich gewisser Erweiterungen, die ich schon im täglichen Gebrauch benötige. Also fiel die Wahl auf Google-Chrome, der wirklich verdammt schnell flitzt! Ich hätte es nicht gedacht, aber ich bin hellauf begeistert von diesem Browser, auch wenn ich immer noch eine Seitenleiste für meine Lesezeichen vermisse.

Mail: Evolution ist mächtig: Mail, Kontakte, Kalender, Notizen – alles eine Menge Funktionen, die auch eine Menge Ressourcen fressen! Also muss ein schlankerer Mailclient her! Und dieser heißt Claws! Dieses Programm macht genau das, was es soll: Meine eMails per imap abholen und mir anzeigen. Das Teil ist so schlank, dass selbst die Anzeige von HTML-Mails nur richtig per Plugin funktioniert!

Microblogging: Wie auch Evolution bietet auch Gwibber viel Funktionalität: Gute Integration in die Gnome-Oberfläche (nicht nur optisch, sondern auch in das Indikator-Applet, etc.) und support für viele Dienste. Der Preis dafür ist hoch, Gwibber will viel Speicher und CPU haben! Also habe ich mich für das schlanke Pino entschieden. Noch ist das Programm nicht ganz optimal, es unterstützt nur Identi.ca und Twitter, die neuen Nachrichten werden erst in der kommenden Version in einem Zeitstrahl angezeigt und der Wechsel zwischen zwei Twitter-Konten frischt die Ansicht nicht auf. Aber ich denke, in Zukunft wird Pino ein brauchbares und vor allen Dingen schlankes Programm sein!

Programmstarter: Unter Gnome ist Gnome-Do das Nonplusultra, mit dem Docky-Theme als Dock das Teil wirklich eine eierlegende Wollmilchsau! Doch benötigt das Docky-Theme Compositing, was für meinen Rechner etwas viel Ressourcen benötigt. Also ist Gnome-Do auf einmal nur ein schöner Programmstarter, der viel Speicher belegt.
Als reinen Starter habe ich mich für Kupfer entschieden. Der Name lässt zwar ein KDE-Programm vermuten, ist aber eine schlanke GTK-Anwendung, die ähnliche wie Gnome-Do funktioniert und sich per Plugins erweitern lässt.
Die Verwaltung der Fensterliste habe ich dem LXDE-Panel abgenommen und tint2 übergeben. Die Anpassung dieses schicken Panels erfolgt über eine Konfigurationsdatei. In der Praxis bietet tint2 mit entsprechender Config-Datei eine nette, dockähnliche Darstellung der Fensterliste und ein nettes Desktop-Pager-System! Dabei kann das Panel aber leider nur die Fensterliste, den Benachrichtigungsbereich und die Uhr verwalten. Programmstarter müssen anders abgedeckt werden.
Da ich PCManFM das verwalten des Desktops verboten habe (auch aus Ressourcengründen), kann ich auch keine Icons auf dem Desktop anlegen. Das will ich aber auch gar nicht, ich mag keine Icons auf meinem Desktop! Für meine häufig verwendeten Anwendungen habe ich mir wbar auf den Desktop gehauen.

Da weder Openbox, noch PCManFM meinen Desktop verwalten, kann ich auch nicht einfach ein Hintergrundbild per Rechtsklick auswählen. Die Darstellung eines Wallpapers musste ich über feh im Autostart vornehmen.
Dank meiner Modifikationen am eigentlichen LXDE-Desktop waren noch weitere Anpassungen im Autostart notwendig: LXDE-Panel killen, tin2 starten, gnome-volume-controll-applet starten (weil es für diese Aufgabe kein Applet für tint2 gibt), mein Hintergrindbild setzen, wbar, conky und rainlendar2 starten. Diese Einträge habe ich in der Openbox-Autostart-Datei unter .config/openbox/autostart.sh vorgenommen. Doch aus irgendeinem Grund wird diese Datei bei mir nicht ausgeführt. Darum habe ich den Aufruf dieser Datei in den LXDE-Autostart unter .config/lxsession/LXDE/autostart eingetragen.

Das Ergebnis ist schon beachtlich! Nach dem Start des Rechners belegt die Desktop-Oberfläche gerade mal 190 MB im Speicher. Mit Browser, eMail-Client, Chat-Programm, Microblogging-Client und ein paar Konsolen komme ich auf gerade mal knapp 400 MB! Und das gesamte System flitzt wie eine eins! Auch wenn die gesamte Recherche und Konfiguration etwas Zeit gekostet hat, hat es sich doch gelohnt. Anbei noch ein Screenshot, wie alles nun aussieht.

Schöne neue IT-Welt…

… und das ganz im Ernst!

Ich finde es klasse, wenn mich immer wieder Kleinigkeiten an meinem Betriebssystem erfreuen können! So zum Beispiel das neue Benachrichtigungs-System von Ubuntu und die Integration von Pidgin, Evolution und Gwibber in dieses. Herrlich, solche Kleinigkeiten erfreuen mein Geek-Hertz (;
Und was mich im Betrieb richtig freut: Endlich läuft der Treiber für meine ATI-Grafikkarte und ich kann Hardwarebeschleunigung aktivieren. Der effektive Vorteil: kleine Gewohnheiten von zu Hause (Exposé, etc.) funktionieren auch auf der Arbeit und ich kann endlich auch hier Gnome-Do als Dock verwenden!

Und da Gwibber mir eine Kombination von mehreren Diensten erlaubt, probiere ich einfach neben Twitter auch mal Identi.ca aus. Und obwohl ich MySpace eigentlich kaum bis gar nicht nutze, freue ich mich schon, wenn es dafür die passende Integration gibt (:

PS: An dieser Stelle ist es auch sehr nett, dass WordPress.com nun eine Integration von Twitter anbietet (siehe in der Sidebar)! Meine Identität habe ich mit openID von WordPress auch schon zu Identi.ca mitgenommen. Herrlich, diese schöne neue IT-Welt…

Linux-Ninja: Short Cuts

Ein paar Schnellschüsse vor dem Schlafengehen, die ich noch unbedingt loswerden muss:

Durch ein scheinbar nicht ganz vollständiges Kernel-Update auf meinem eee-701 konnte ich nach einem Neustart die Tastatur nicht mehr verwenden. Nun gut, ich hatte eh vor easypeasy zu testen!
Mehr oder weniger in dem Glauben, dass es bei einem kurzen Testen bleiben wird, und danach wieder ein komplettes Ubuntu auf die Kiste wandert, schnell einen bootbaren USB-Stick mit UNetbootin erstellt und auf dem kleinen Netbook installiert… erste Verwunderung überkam mich, als ich gesehen habe, dass die SSD in ext3 formatiert wird. Aber egal, die werden schon wissen, was sie tun, immerhin ist easypeasy auf den eee-PC optimiert.
Die Oberfläche von easypeasy ist scheinbar das NBR (Netbook Remix) von Ubuntu, das sehr schon aussieht! Auf dem Desktop befinden sich die Orte und Favoriten auf der rechten Seite und Links findet sich das Gnome-Menü. Bei einem Klick auf die Einträge werden dann die Applikationen im Raum zwischen den Menüeinträgen und den Orten angezeigt. Sehr nett!
easypeasy
Alle Anwendungen werden im Fullscreen-Modus gestartet. Von offenen Applikationen werden nur die Icons in der Fensterleiste angezeigt, außer von dem Fenster, das aktuell den Fokus hat. Von dem wird der Name angezeigt! Sehr nett, so etwas wünschte ich manchmal (!) auch daheim auf dem Desktop-PC!
Natürlich habe ich einige Programme erstmal deinstalliert. Warum brauche ich auf einem Netbook einen

  • Terminal-Server-Client
  • Bildschirm-Leser
  • Bittorrent-Client
  • Songbird (ich mag Rhythmbox lieber q: )
  • Openoffice.org-Impress
  • Openoffice.org-Draw
  • und noch andere…

Durch diverse Recherchen zu easypeasy bin ich per dummen Zufall über ein weiteres, nett aussehendes Ubuntu-Derivat gestolpert: CrunchLinux, welches wohl auch als CrunchEEE verfügbar ist. Beim Durchschauen der Anwendungsliste bin ich über Gwibber gestoßen, einen gtk-Microblogging-Client! Der kleine scheint ziemlich mächtig und unterstützt so einige Plattformen, u.a. Digg, Facebook oder Flickr. Wofür diese Protokolle nun nützlich sind, weiß ich nicht, aber auf jeden Fall hat er meinen bisherigen Twitter-Client Twitux abgelöst!
Zur Installation unter Ubuntu 8.10 muss man die entsprechenden PPAs in die sources.list eintragen:

deb http://ppa.launchpad.net/gwibber-team/ubuntu intrepid main
deb-src http://ppa.launchpad.net/gwibber-team/ubuntu intrepid main

Und schon kann man gwibber wie gewohnt installieren.
Achtung: Fremdquellen können das System beschädigen… Ihr kennt das ja sicherlich von Ubuntuusers.de, gell?

Und wenn wir schon mal bei Neuerungen sind, habe ich direkt mal Liferea daheim auf die aktuelle unstable 1.5.10 geupdatet! Komischerweise lief die 1.5.5 im Betrieb problemlos, ohne Abstürze, mit kleineren, verkraftbaren Macken. Gleiche Version hat zu hause unsagbare Probleme gemacht und ist eigentlich alle 5 Minuten abgestürzt. Darum einfach mal:

wget http://prdownloads.sourceforge.net/liferea/liferea-1.5.10.tar.gz
tar -xzvf liferea-1.5.10.tar.gz
cd liferea-1.5.10
sudo apt-get build-dep liferea
sudo apt-get install libwebkit-dev libcurl4-dev
./configure
./make
./sudo make install
./sudo checkinstall

und schon habe ich eine wesentlich stabilere Version von Liferea laufen, die Google-Reader-Unterstützung hat! Wofür ich das brauche, habe ich bereits beschrieben (;

Meiner Faulheit hat dann auch noch Christoph Langner Unterstützung gegeben:
Anstelle von ssh IP-DES-RECHNERS-IM-NETZWERK kann man auch ssh $HOSTNAME.local eingeben. Voraussetzung ist die Installation von libnss-mdns:

sudo apt-get install libnss-mdns

Weitere interessante Tipps zum Thema Netzwerken im 21. Jahrhundert finden sich im Blog-Eintrag von Christoph Langner!

PS: Warum kann WP.org eigentlich nicht den small-Tag??