Mir fehlt meine Sidebar!

Aus Performance-Gründen bin ich nach jahrelanger Firefix-Nutzung zuerst auf Google-Chrome und dann auf dessen Open-Source-Variante Chromium umgestiegen. Es gibt tausend und ein Feature, was ich an diesem schlanken und schnellen Browser wirklich wesentlich besser finde, als beim trägen Firefox. Doch eins vermisse ich immer wieder: Eine vernünftige Sidebar für meine Bookmarks, am besten noch mit Integration von Delicious! Nur diese blöde, umständliche Lesezeichen-Leiste unter der Adresszeile ist irgendwie nicht das gelbe vom Ei…. Und die Delicious-Extension vom Chrom[e|ium] ist wohl auch mehr ein Witz, denn benutzbarer Erweiterung der bereits eingebauten Lesezeichenverwaltung!
Wollte ich nur mal so gesagt haben!

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LXDE – ein schlanker Desktop für alte Möhren

Der ein oder andere Freund und Kollege hat mich bereits ausgelacht. Ich bin Anwendungsentwickler und haben einen Rechner, der mittlerweile historischen Wert haben könnte! Eine sieben Jahre alte Möhre, Einkern-Prozessor mit 1,6 GHz (auch nur Dank Übertaktung) und gerade mal einem Gigabyte an RAM ist schon etwas schwachbrüstig für moderne Desktop-Umgebungen. (Wer noch etwas mehr lachen will: Ich habe sogar noch eine Maus mit Kugel im Einsatz!)

Aber es geht hier nicht um die absurde Hardware-Konstellation, sondern darum, wie ich aus diesem historischen Gerät doch ein brauchbares Arbeitsinstrument gemacht habe!
Bisher habe ich immer das aktuelle Ubuntu-Linux, also zuletzt die 10.04 mit dem entsprechenden Gnome-Desktop auf der Kiste gehabt. Aber das Arbeiten wurde immer unerträglicher, der Browser hat Ewigkeiten zum Starten gebraucht, der Wechsel zwischen den Desktops war träge, das Rippen von CDs hat die komplette Kiste lahm gelegt, u.s.w.
Da ich früher auf meinem eee schon mal eeeXubuntu drauf hatte, habe ich mir die XFCE als Oberfläche installiert. Doch auch hier war kein großer Geschwindigkeitsvorteil zu vermerken. Nach etwas Recherche bin ich dann aber auf LXDE gestoßen!

LXDE ist ein verdammt schneller Desktop mit Openbox als Fenster-Manager. Neben dieser schmalen und wirklich schnellen Darstellung gibt es auch ein paar leichtgewichtigere Programme, die den Desktop komplettieren sollen: ein eigenes Panel, als Datei-Browser den PCManFM, GPicView als Bildbetrachter und Leafpad als Editor.
Sicherlich muss man in dieser Konstellation kleine Abstriche machen. Leafpad kann keine Tabs oder Rechtschreibprüfung und PCManFM erlaubt mir kein Drag’n Drop aus einem gepackten Archiv (wobei das auch der einzige Einschnitt an dem Programm ist). Dafür flitzen die Sachen wirklich wie Hölle! Und wem der Umfang dieser Anwendungen nicht reicht, kann auch ohne Probleme jede andere GTK-Applikation unter LXDE verwenden.

Nun habe ich meine verwendete Software etwas umgestellt, um einen weiteren Performance-Gewinn zu erzielen.

Browser: Früher war ich großer Verfechter des Firefox. Doch das Teil frisst wirklich unglaublich viel Speicher und ist sowohl beim Start, wie auch beim Surfen relativ träge. Die Linux-Browser Midori oder Epiphany entbehren sich gewisser Erweiterungen, die ich schon im täglichen Gebrauch benötige. Also fiel die Wahl auf Google-Chrome, der wirklich verdammt schnell flitzt! Ich hätte es nicht gedacht, aber ich bin hellauf begeistert von diesem Browser, auch wenn ich immer noch eine Seitenleiste für meine Lesezeichen vermisse.

Mail: Evolution ist mächtig: Mail, Kontakte, Kalender, Notizen – alles eine Menge Funktionen, die auch eine Menge Ressourcen fressen! Also muss ein schlankerer Mailclient her! Und dieser heißt Claws! Dieses Programm macht genau das, was es soll: Meine eMails per imap abholen und mir anzeigen. Das Teil ist so schlank, dass selbst die Anzeige von HTML-Mails nur richtig per Plugin funktioniert!

Microblogging: Wie auch Evolution bietet auch Gwibber viel Funktionalität: Gute Integration in die Gnome-Oberfläche (nicht nur optisch, sondern auch in das Indikator-Applet, etc.) und support für viele Dienste. Der Preis dafür ist hoch, Gwibber will viel Speicher und CPU haben! Also habe ich mich für das schlanke Pino entschieden. Noch ist das Programm nicht ganz optimal, es unterstützt nur Identi.ca und Twitter, die neuen Nachrichten werden erst in der kommenden Version in einem Zeitstrahl angezeigt und der Wechsel zwischen zwei Twitter-Konten frischt die Ansicht nicht auf. Aber ich denke, in Zukunft wird Pino ein brauchbares und vor allen Dingen schlankes Programm sein!

Programmstarter: Unter Gnome ist Gnome-Do das Nonplusultra, mit dem Docky-Theme als Dock das Teil wirklich eine eierlegende Wollmilchsau! Doch benötigt das Docky-Theme Compositing, was für meinen Rechner etwas viel Ressourcen benötigt. Also ist Gnome-Do auf einmal nur ein schöner Programmstarter, der viel Speicher belegt.
Als reinen Starter habe ich mich für Kupfer entschieden. Der Name lässt zwar ein KDE-Programm vermuten, ist aber eine schlanke GTK-Anwendung, die ähnliche wie Gnome-Do funktioniert und sich per Plugins erweitern lässt.
Die Verwaltung der Fensterliste habe ich dem LXDE-Panel abgenommen und tint2 übergeben. Die Anpassung dieses schicken Panels erfolgt über eine Konfigurationsdatei. In der Praxis bietet tint2 mit entsprechender Config-Datei eine nette, dockähnliche Darstellung der Fensterliste und ein nettes Desktop-Pager-System! Dabei kann das Panel aber leider nur die Fensterliste, den Benachrichtigungsbereich und die Uhr verwalten. Programmstarter müssen anders abgedeckt werden.
Da ich PCManFM das verwalten des Desktops verboten habe (auch aus Ressourcengründen), kann ich auch keine Icons auf dem Desktop anlegen. Das will ich aber auch gar nicht, ich mag keine Icons auf meinem Desktop! Für meine häufig verwendeten Anwendungen habe ich mir wbar auf den Desktop gehauen.

Da weder Openbox, noch PCManFM meinen Desktop verwalten, kann ich auch nicht einfach ein Hintergrundbild per Rechtsklick auswählen. Die Darstellung eines Wallpapers musste ich über feh im Autostart vornehmen.
Dank meiner Modifikationen am eigentlichen LXDE-Desktop waren noch weitere Anpassungen im Autostart notwendig: LXDE-Panel killen, tin2 starten, gnome-volume-controll-applet starten (weil es für diese Aufgabe kein Applet für tint2 gibt), mein Hintergrindbild setzen, wbar, conky und rainlendar2 starten. Diese Einträge habe ich in der Openbox-Autostart-Datei unter .config/openbox/autostart.sh vorgenommen. Doch aus irgendeinem Grund wird diese Datei bei mir nicht ausgeführt. Darum habe ich den Aufruf dieser Datei in den LXDE-Autostart unter .config/lxsession/LXDE/autostart eingetragen.

Das Ergebnis ist schon beachtlich! Nach dem Start des Rechners belegt die Desktop-Oberfläche gerade mal 190 MB im Speicher. Mit Browser, eMail-Client, Chat-Programm, Microblogging-Client und ein paar Konsolen komme ich auf gerade mal knapp 400 MB! Und das gesamte System flitzt wie eine eins! Auch wenn die gesamte Recherche und Konfiguration etwas Zeit gekostet hat, hat es sich doch gelohnt. Anbei noch ein Screenshot, wie alles nun aussieht.

Shortcuts für No-Script

Daheim verwende ich zur Sicherheit das Firefox-Addon NoScript (Warum habe ich das eigentlich in meinem Beitrag nicht aufgelistet?!?!). Und im Rahmen meiner Browser-Entschlackung nachdem ich schon Adblock Plus rausgeschmissen habe, habe ich auch All-In-One-Sidebar mal testweise deaktiviert. Schlussendlich habe ich die Seitenleiste nur für meine Lesezeichen verwendet, was Firefox auch nativ kann.

Nun hat das zur Folge, dass sich meine gewohnten Shortcuts geändert haben. Die Seitenleiste ist nicht mehr auf F4, sondern per default wären die Lesezeichen auf STRG+B. Doch durch das Delicious-Addon für den Firefox ist die Delicious-Seitenleiste nun auf diesem Tastenkürzel. Da ich aber manche Lesezeichen zur schnelleren Orientierung lokal in einer Ordnerstruktur halte, will ich auch die Standard-Lesezeichen-Leiste benutzen, die jetzt über STRG+SHIFT+S erreichbar ist.

Nun kommt NoScript mit den Bookmarks in Konflikt: STRG+SHIFT+S erlaubt dem Script-Blocker nämlich alle Beschränkungen für Scripte aufzuheben. Und so fortgeschritten das Addon sonst ist, den Shortcut über die Einstellungen ändern geht leider nicht. Ebenso scheint es auf Anhieb keine Änderungsmöglichkeiten für das Tastenkürzel der Lesezeichen-Leiste zu geben.
Erst etwas Recherche auf der Homepage von NoScript brachte die Lösung:
In about:config gibt es Schlüssel unter noscript.key.* , wo man die Shortcuts entsprechend anpassen kann.

Wenn ihr mich fragt, ist das keine schöne Lösung für ein so weit entwickeltes Programm… /:

Werbung blockieren mal anders

Nachdem der Andi so schön gefrotzelt hat, habe ich mal seinen Tipp mit der /etc/hosts-Datei ausprobiert, um den Firefox mal ohne das Adblock Plus-Addon zu testen.
Dafür musste ich aber das Script vom Student-im-Urlaub (auch Grüße von Aachen nach Aachen q; ) etwas anpassen:
die Datei /usr/bin/adblockrefresh sieht bei mir so aus:
#!/bin/sh
echo "Updating adserver list..."
sudo cp /etc/hosts.bak /etc/hosts
curl "http://pgl.yoyo.org/adservers/serverlist.php?hostformat=hosts&showintro=0&mimetype=plaintext" | sudo tee -a /etc/hosts
echo "Done. Have fun!"

Und bei mir war standardmäßig nicht curl installiert, was ein sudo apt-get install curl schnell änderte.

Und in der Tat, der Firefox läuft startet ohne Adblock Plus wesentlich schneller!
Außerdem kann kann ich nun auch werbefrei mit der Firefox 3.1b-Beta, Opera oder Midori surfen.

Meine Firefox Addons

Irgendwie ein ganz typischer Blog-Eintrag und passend zu meinem Test von Firefox 3.1b: Meine verwendeten Firefox-Erweiterungen!

  • Adblock Plus – Blockt unerwünschte Werbung und andere Elemente einer Webseite.
  • All-In-One Gestures* – Erlaubt das Steuern des Firefox’s mit der Maus – besonders fein für den faulen Informatiker (;
  • All-In-One Sidebar – Verlagert Lesezeichen, Addons, Historie, Downloads und Seiteninformationen in eine Sidebar
  • Compact Menu 2 – ich mag es gerne kompakt. Und mit dieser Erweiterung kann man die Menü-Leiste in einen Button komprimieren (:
  • Delicious Bookmarks* – Simple Sache: Verwalten meiner Del.icio.us-Lesezeichen über eine Firefox-Sidebar
  • DownloadHelper – Erlaubt das runterladen von Multimedia-Inhalten, wie Youtube-Videos oder MP3-Dateien aus Flash-Playern
  • Firebug* – Eines der unverzichtbaren Werkzeuge für den Web-Developer!
    • Firecookie – eine Firebug-Erweiterung zum ansehen und manipulieren von Cookies
  • Extended Status Bar – Erweitert die Status-Leiste des Browsers um interessante Informationen, wie Seitenladezeit, geladene Bilder, Geschwindigkeit des Ladens, gesamt übertragene KB der Seite.
  • Fission – Zeigt den Ladefortschritt einer Webseite in der Adressleiste
  • Google Gears* – Optimiert die Laufzeit einiger Anwendungen, wie dem WP-Backend, Myspace-Nachrichten, u.v.m.
  • Screengrab!* – Macht Screenshots einer kompletten Webseite, ohne zu scrollen
  • Stealther* – Im Betrieb und auf dem Laptop sehr nützlich: Hinterlässt keine Privaten Daten auf dem Rechner: Keine Cookies, keine Historie, keine Formulardaten, keine Download-Historie, etc. Auch bekannt als „Porno-Modus“ (;
  • Stop-Or-Reload-Button* Macht beim Laden einer Seite aus dem „Laden“-Button einen „Stop“-Button und umgekehrt. Sehr nett, um Platz in der Leiste zu sparen!
  • Web Developer* – Ebenso sehr wichtig für den Webentwickler mit vielen nützlichen Werkzeugen

Früher hatte ich noch eine Zeit lang Scribefire zum bloggen installiert, aber mittlerweile benutze ich das Webinterface von WordPress wesentlich lieber.

Anmerkung: Die Addons mit einem * sind leider nicht kompatibel zu Firefox 3.1b

Was kann der Internet-Explorer?

Als Webentwickler ist man immer bedacht, dass die erstellten Lösungen auch in allen Browsern funktionieren. Die Zeiten von „Optimiert für Browser XYZ in Auflösung ZZZxYYYY“ sind eigentlich vorbei!

Doch immer wieder scheitert man an der Unfähigkeit oder der etwas wirren Interpretation bestimmter Browser! Welcher Browser mit welchen aktuellen und neuen Webtechnologien wie klarkommt, sieht man schick in der Übersicht von deveria.com. – Man sieht, das Microsoft-Produkt schneidet nicht sonderlich gut ab…