CyanogenMod mit Linux auf dem Defy+ installieren

Wie ich bereits erwähnte, war ich mit meinem Motorola Defy+ nicht sonderlich zufrieden. Zu häufig hat sich das Smartphone aufgehangen, neugestartet oder mir verweigert, einen Telefonanruf anzunehmen. Genervt und frustriert, beschloss ich vor einiger Zeit, dass ich vor dem Kauf eines alternativen Gerätes, doch erst mal ein alternatives ROM versuchen sollte.

Die wohl bekannteste Alternative zum regulären Android, ist der CyanogenMod, der aber leider offiziell nur das Motorola Defy unterstützt, und explizit das Defy+ aus dem Support ausschließt. Doch nach einiger Recherche, fand ich auch schon ein Custom-Rom für mein Gerät bei Quarx. Basierend auf dem CyanogenMod 10, das wiederum auf Android 4.1 aka Jelly Beans aufbaut, wurden die letzten Anpassungen Ende September 2012 veröffentlicht. Sicherlich nicht der aktuellste Stand der Dinge, aber solange es stabil läuft, soll es mir recht sein.

Doch nun stellte sich die Frage, wie ich den angepassten CyanogenMod unter Linux auf mein Smartphone bekomme. In der Tat war hier etwas mehr Recherche erforderlich, doch durch den ein oder anderen Forenbeitrag bin ich recht schnell an ein einfaches vorgehen gekommen.

Anmerkung: Ich übernehme keine Haftung für eventuelle Schäden an dem Smartphone! Diese kleine Anleitung setzt voraus, dass der Benutzer fundierte Vorkenntnisse im Umgang mit Linux und Android besitzt und weiß, was er tut! Simples Copy’n Paste ist nicht gewünscht! Außerdem sollten die verlinkten Forenthreads gelesen werden, um eventuelle Fragen im Vorfeld zu klären.

  • Voraussetzung ist ein Defy+ mit dem letzten offiziellen Update auf Android 2.3.6, aktiviertem USB-Debugging, angeschlossen über USB an meinen Linux-Rechner mit der Verbindungsart „Nur laden
  • Zum Aufspielen der neuen Roms brauchen wir das Tool sbf_flash
    • Anfangs wollte sbf_flash nicht richtig, weil mir das Paket cpio fehlte, das aber schnell über die Paketverwaltung nachinstalliert wurde.
  • Mittels sbf_flash installieren wir nun zwei ROMs, die das Android-Hilfe.de-Forum nannte:
$> wget http://sbf.droid-developers.org/umts_jordanplus/DEFYPLUS_U3_4.5.1-134_DFP-231_GR_SIGN_UCADEFYEMARAB1B80AA004.0R_PDS03C_USAJRDNGIBRRTCEE_P022_A022_Service1FF.sbf.gz
$> gunzip DEFYPLUS_U3_4.5.1-134_DFP-231_GR_SIGN_UCADEFYEMARAB1B80AA004.0R_PDS03C_USAJRDNGIBRRTCEE_P022_A022_Service1FF.sbf.gz
$> ./sbf_flash DEFYPLUS_U3_4.5.1-134_DFP-231_GR_SIGN_UCADEFYEMARAB1B80AA004.0R_PDS03C_USAJRDNGIBRRTCEE_P022_A022_Service1FF.sbf
    • Wenn sbf_flash auffordert, das Telefon in den Bootloader-Modus neuzustarten, schaltet man das Defy+ aus und startet es neu, derweil der Lautstärkebutton „Leiser“ gleichzeitig gedrück gehalten wird
    • Anschließend wird das „rooted“ ROM gleichermaßen installiert. Der Download von 4.5.1-134 DFP-231 Retail.en.EU CEE Rooted SBF geschieht über Mediafire.
$> unrar e DEFYPLUS_U3_4.5.1-134_DFP-231_CEE_ROOTED_No_Signed.rar
$> ./sbf_flash DEFYPLUS_U3_4.5.1-134_DFP-231_CEE_ROOTED_No_Signed.sbf
  • Anmerkung: Zur Installation dieser beiden ROMs, war bei mir das im Forenbeitrag erwähnte Wipen nicht notwendig.
  • Mit den nun erworbenen Super-User-Rechten auf dem Defy+, wird 2ndInitRecovery installiert. Das APK findet man im Forum von XDA-Developers.com. Wer nun nicht weiß, wie man ein eine App aus „unsicheren“ Quellen installiert, sollte sich generell die Installation eines Custom ROMs gut überlegen (;
  • Den zuvor heruntergeladenen CyanogenMod für das Defy+, kopiert man simpel per USB-Verbindung als vorliegende Zip-Datei auf die SD-Karte des Defy+. Gleiches macht man auch mit den Google Apps, die man aus dem Wiki des CyanogenMods runterladen kann. Ich entschied mich – passend zur ROM-Version – für gapps-jb-20121011-signed.zip.
  • Nun wird die App 2ndInit gestartet, wo man das Bootmenü installiert. Bitte Root-Rechte gewähren, sonst bringt diese Prozedur rein gar nichts.
  • Ist das Bootmenü installiert, startet man das Defy+ neu und drückt die „Leiser“-Taste, sobald das blaue Benachrichtigungslicht aufleuchtet.
    • Im 2ndInit-Bootmenü navigiert man mit den Lautstärke-Tasten und bestätigt eine Auswahl mit dem Ein-/Aus-Knopf des Smartphones.
    • Hier wählt man den Punkt „Recovery
    • Zunächst wird das Telefon zurückgesetzt mittels „wipe data/factory reset
    • Anschließend wird über den Punk „Install zip from sdcard“ der zuvor kopierte CyanogenMod ausgewählt
    • Nach der erfolgreichen Installation des CyanogenMod, wird über „Install zip from sdcard“ das gapps-Paket gleichermaßen installiert.
    • Anmerkung: Optional kann man über den Menüpunkt „backup and restore“ auch vorher das aktuelle ROM sichern, falls etwas schief gehen sollte. Dies sollte logischerweise geschehen, bevor man den CyanogenMod installiert hat.
    • Zum Schluss startet man das Defy+ über den Menüpunkt „reboot system now“ neu und wartet, bis der CyanogenMod vollständig geladen ist. Das kann mehrere Minuten dauern.

Und Tadaa: Android 4.1.1 läuft auf dem Defy+! Soweit ich das bisher beurteilen kann: Schnell und flüssig!

Nach der Installation fehlt aber leider die GMail-App, die man auch nicht regulär über den Play-Store nachinstallieren kann. Andere Google-Apps wie der Google Reader, Google Calendar, Google Drive, Google+, etc. sind gar kein Thema. Mir ist schleierhaft, warum GMail da eine Ausnahme darstellt.
Glücklicherweise findet man auch hier die passende APK mit etwas Suchen im Forum von Android-Hilfe.de.
Nun kann man diese Datei einfach manuell installieren, oder man registriert sie als System-App:

  • Man verbindet das Defy+ im USB-Debug-Modus mit dem Rechner
  • Zur Kommunikation mit dem Smartphone über ADB, benötigt man das Tool adblinux
  • Vorausgesetzt, adblinux und Gmail.apk liegen im gleichen Verzeichnis
$> ./adblinux remount
$> ./adblinux push Gmail.apk /system/app
  • Anschließend das Telefon neustarten

Nützlicher Tipp: Um festzustellen, ob das Defy+ richtig im Debug-Modus mit dem PC verbunden ist, kann man mittels ./adblinux devices alle verbundenen Android-Geräte abfragen.

Anmerkungen: Aus irgend einem Grund verweigerte mir mein Smartphone im Lauf dieses Prozesses immer wieder die Verbindung mit meinem Laptop (aktuelles Arch Linux). dmesg meldete immer wieder „device not accepting address“. Hingegen am Windows-Laptop meiner Frau, verband sich das Smartphone ohne Probleme. Und komischerweise funktionierte die USB-Verbindung nach einiger Zeit auch wieder an meinem Laptop. Eine Ursache oder Regelmäßigkeit dieser Aussetzer konnte ich genau so wenig feststellen, wie ob der Fehler beim Defy+ oder meinem Laptop lag. Mittlerweile ist das Phänomen nicht mehr reproduzierbar.

Links:

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Fuck You, Motorola – Ein Defy+ Erfahrungsbericht

Eigentlich ist die Idee hinter dem Motorola Defy super. „Bereit für alles, was das Leben bringt„, verträgt dieses Smartphone Stürze aus geringer Höhe und sogar einen kurzzeitigen Ausflug ins Badewasser (siehe Werbevideo). Quasi ein lebenstaugliches Mobiltelefon, mit dem ich auch im Regen joggen gehen kann und nicht bei jedem Sturz Angst haben muss, dass der Display wie ein Ejakulat Spidermans aussieht. Die aufgemotzte Version Defy+ brachte einen schnelleren CPU und mehr Speicher in das Gerät. Darum habe ich direkt nach der Ankündigung eine Vorbestellung bei Amazon platziert.

Für das Vorgängermodell waren Hörmuschelprobleme bekannt. Ich bin aber schlicht davon ausgegangen, dass Motorola aus den Fehlern gelernt und diesen Fehler im Defy+ im Vorfeld behoben hat. In der Tat hatte ich bisher noch keine Probleme damit.

Doch in fast 10 Monaten Benutzung sind mir andere, erhebliche Mängel an dem Smartphone aufgefallen, die den Nutzerspaß erheblich trüben:

  • sehr häufig hängt das System. Manchmal passiert einfach bis zu zwei Minuten lang gar nichts, es werden weder Displayeingaben angenommen, noch kann ich die Displaysperre aktivieren
  • mehr oder minder regelmäßig muss ich meine SIM-Karte entsperren
  • häufig startet das Telefon einfach und ohne ersichtlichen Grund neu
  • gleichsam ist mehrfach die Displaysperre in der Hosentasche weggegangen und das Telefon nahm „Eingaben“ von meinem Oberschenkel an
  • manchmal verbindet sich das Defy+ nach einem Funkloch nicht neu mit dem Mobilnetz, erst nach einem Neustart wieder
  • hin und wieder gibt es Probleme mit dem Lockscreen, dass man Anrufe nicht annehmen kann. Für ein Telefon verdammt ärgerlich!
  • vor dem Update der Android-Version auf 2.3.6 wurden die Klingeltöne willkürlich ausgetauscht, wenn ich das Defy+ als Massenspeicher an meinem Computer angeschlossen hatte. Doch dieses Problem scheint mittlerweile gelöst.
  • das Smartphone erwärmt sich sehr schnell und ungewöhnlich hoch

Mit diesen Problemen bin ich nicht alleine. In den Rezensionen bei Amazon.de kann man häufig lesen, dass das Defy+ ein „Montagsgerät“ sei, und dass es schon mal einfach grundlos hängt. Nur im Support von Motorola will man davon scheinbar noch nichts gehört haben. Auf meine erste Anfrage hin, sollte ich mein Gerät einfach mal resetten und schauen, ob das Problem weiterhin bestehen bleibt. Gesagt, getan und zumindest die ersten paar Tage lief alles wunderbar. Doch schnell stellte sich wieder der bekannte Status ein.

Vor einiger Zeit wollte ich das Telefon einschicken und reparieren lassen. Ich frage nach den notwendigen Schritten im Support nach. Die Pauschal-Antwort per Mail:

-Bitte vergewissern Sie sich, dass Ihre SIM Karte keine N3 oder N5 Karte ist.
-Testen Sie bitte auch eine andere SIM Karte im Gerät, am besten auch von einem anderen Anbieter.
– Testen das Handy ohne SD Karte, mit einer anderen SD Karte
– laden Sie erstmal keine Apps
Testen Sie mindestens 48 -72 Stunden, sollte der Defekt immer noch auftreten dann berichten Sie uns bitte umgehend.

– Und kein Wort über den Reklamationsprozess.

Als entgegenkommen habe ich wirklich eine neue SIM-Karte bestellt und ausprobiert, da mein Carrier keine Generationskennzeichnung auf den Karten pflegt und entsprechend auch keine Auskunft erteilen konnte, welche Version meine bis dahin aktuelle SIM-Card hatte. Auf die blöde Idee, die SD-Karte zu entfernen oder alle Apps zu deinstallieren, kam ich hingegen nicht. Was nützt mir ein kleiner Taschencomputer, wenn ich keine Anwendungen verwenden, oder Daten darauf speichern darf? Da kann ich auch gleich bei einem klassischen Mobiltelefon nur mit Telefonie und SMS bleiben und brauche kein teures Smartphone.

Im folgenden telefonierte ich mit dem Motorola Support. Wieder nur die gleichen Vorschläge, auf meine Kritik wurde nicht eingegangen. Im Gegenteil: „Denken Sie daran: Wenn Sie das Gerät einschicken, dann haben Sie mindestens 10 Tage kein Telefon. Und wenn kein Fehler entdeckt werden kann, schicken wir das Telefon unangetastet zurück, dann ist es nicht repariert und das Problem besteht weiter.“ – Was soll ich bitte davon halten?

Mittlerweile ist das Defy+ über die Homepage von Motorola als „Geräte in Deutschland nicht verfügbar“ gekennzeichnet. Kein Jahr nach Markteinführung! Scheinbar hat der Hersteller eingesehen, dass die gute Idee hinter dem Smartphone einfach nur schlecht umgesetzt wurde.

tl;dr; Das Defy+ ist unausgereifter Schrott und der Support von Motorola ist nicht kundenfreundlich oder Service-orientiert. Am besten von beidem die Finger lassen. Ich muss nun in der Mottenkiste nach einem alten Mobiltelefon suchen, und dann das Montagsgerät reklamieren. Ob ich es danach behalte, oder direkt verkaufe und mir ein brauchbares Smartphone anschaffe, kann ich zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht sagen….

PS: Ich weiß, dieser Beitrag ist unsachlich und in seiner Wortwahl nicht immer angebracht. Aber gerade regt mich die Situation zum wiederholten Male unglaublich auf. Besonders in Anbetracht der „Hilfsbereitschaft“ Motorolas.

Listen: Rollenspieler-Habitus und Selbstverwaltung mit Android

Um meine ganzen Aufgaben zu organisieren, fertige ich für mein Leben gerne Listen an. Ich bin da nicht alleine, meine Bekannte Kat von Heimatschreibweh.de hat sich auch schon zu ihrerer heimlichen Leidenschaft bekannt. Und genau so gut kenne ich ein Dutzend weiterer Listen-affiner Personen.

Ob das eine gewisse Rollenspieler-Natur in mir widerspiegelt? Eigentlich kann ich RPGs nichts abgewinnen, muss aber gestehen, dass ich in diesem Sammeln und sortieren von Aufgaben eine gewisse Analogie zum „Erfüllen von Quests“ sehe. Und manches Mal wünschte ich mir, anstelle des verdreckten Katzenklos oder stinkenden Müllsacks müsste ich einen Kerker voller wandelnder Untoter bezwingen. Das erscheint mir oft die angenehmere Alternative…

Wie dem auch sei, bisher war ich relativ oldschool unterwegs. Blatt Papier und Stift waren meine Waffen der Wahl – ob nun ein Pen’n Paper-Bezug angebracht wäre? Doch auf Dauer erschien mir der ökonomische und ökologische Aspekt dieses Vorgangs etwas unpassend. Irgendwann entdeckte ich dann den Web-Service Remember The Milk für mich. Eine feine Sache, nur hat dieser Service nach Anschaffung eines Smartphones einen kleinen Haken: Die passende Android-App benötigt einen Pro-Account bei RTM, der mal eben mit $25 pro Jahr zu Buche schlägt. In Anbetracht der entgegen gebrachten Leistung ist der Preis zwar durchaus adäquat, aber warum soll man nicht mal nach Alternativen schauen? Und genau das habe ich gemacht!

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