Ablenkungsfreies Schreiben mit pyRoom

Man kennt das als Kind der Moderne: Wenn man am Rechner sitzt, hat man mindestens den Browser, den eMail-Client und das Chat-Programm offen. Wenn man intensiver im Web2.0 lebt, noch den Feedreader und den Microblogging-Client. Nun will man sich konzentriert einer Aufgabe hingeben – und dann passiert es: Das Mail-Programm meldet eine neue Nachricht, hunderte Popups mit neuen Tweets erscheinen und jeder in der Buddyliste will auf einmal was von einem!
Aus diesem Grund habe ich seit geraumer Zeit meinen Messanger Pidgin aus, wenn ich eine CD-Kritik schreiben will. Anderweitig hätte ich zu viel Ablenkung durch neue Nachrichten, die natürlich nur dann kommen, wenn man sie gerade nicht gebrauchen kann!
Doch das Icon im Tray, das mich über neue eMails benachrichtigt, ist immer noch so verführerisch ablenkend… Natürlich könnte ich pragmatisch alle Anwendungen beenden und nur noch meinen Editor offen lassen, wenn ich einen Text schreiben will.

Doch eine simplere Lösung – oder vielleicht auch einfach Überdeckung meines Problems – bietet pyRoom! Diese schöne, kleine Software in Python geschrieben – wer hätte das gedacht? (; – macht eigentlich nichts weiter, als sich komplett über den Bildschirm zu legen, und mir einen kleinen, aber funktionalen Text-Editor zu liefern.
Die Steuerung erfolgt ausschließlich über Shortcuts. Speichern, schließen, öffnen, zwischen den Dokumenten navigieren oder einfach mit STRG+h die Hilfe aufrufen, alles funktioniert ohne ablenkende Bedienelemente. Ebenso entbehrt sich pyRoom auch Formatierungsmöglichkeiten oder einer Rechtschreibkorrektur. Das ist alles nur Overhead, der vom kreativen Prozess des schreibens ablenkt!

Nach ein paar Wochen schreiben mit pyRoom muss ich ehrlich zugeben: Ich arbeite fokusierter! Ich habe nur einen schwarzen Bildschirm und in der Mitte, schön zentriert, meinen Text in grauen lettern. Kein ablenkendes eMail-Icon, keine Messanger-Popups, keine neuen Tweets, einfach ein simpler, ablenkungsfreier Bildschirm!

Unter Windows und OSX gibt es äquivalente Programme. Doch wer daran interesse hat, kann selber Tante Google fragen, für die Linuxer verweise ich einfach auf den schönen Paketmanager der Wahl, yum, yast, apt-get/aptitute, synaptic oder pacman. pyroom sollte in den Paketquellen standartmäßig vorhanden sein.

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Weitere schlanke Programme für Linux

Vor einiger Zeit hatte ich meinen Umstieg von der mittlerweile doch recht hungrig gewordenen Desktop-Umgebung Gnome zum Leichtgewicht LXDE geschildert. Natürlich war dies noch nicht das Ende meiner Optimierungsversuche. Und so habe ich noch ein paar Änderungen an meinem Setup vorgenommen, die ich hier schnell vorstellen mag.

Nachdem ich von Ubuntu zu Arch gewechselt habe, habe ich ein paar Probleme mit dem LXTerminal bekommen. Irgendwie wollte es – trotz entsprechend aktivierter Optionen – die Menüs und Scrollleisten nicht verstecken. Eigentlich kein wirklicher Fehler, aber eine Unschönheit, die mich schon ein wenig gestört hat. Darum ist nun Sakura meine Standardkonsole.
Ich habe mir zwar auch URXVT angeschaut, aber das ist mir noch eine Nummer zu unbequem, ich würde z.B. schon gerne mit STRG+n eine neue Konsole öffnen können (;

Unter Ubuntu mit LXDE-Oberfläche gar kein Thema, aber schon etwas unschön unter Arch: Kupfer als Schnellstarter. Der kleine Launcher benötigt ein paar Gnome-Abhängigkeiten und ist nicht in den Standard-Repositories von Arch enthalten. Damit mein System so sauber wie möglich bleibt, habe ich mal nach einer Alternative geschaut. Launchy braucht QT-Bibliotheken, Gnome-Do will viele Gnome-Abhängikeiten und das Mono-Framework und so weiter.
Darum habe ich mal überlegt, wofür ich überhaupt einen Launcher brauche. Alle oben genannten Tools bieten unter anderem fancy Features, Kontakte durchsuchen, Twitter updaten, Packete über APT installieren und so weiter und so fort. Doch diese tollen Zusatzfunktionen habe ich eigentlich nie über Gnome-Do oder Kupfer verwendet, sondern immer nur über die nativen Applikationen. Ein Launcher war für mich – ziemlich trivial – ein Programm, um Programme zu starten.
Und da gibt es eine absolute Lightweight-Alternative: Bashrun! Bashrun ist nichts weiter als ein kleines Stückchen Konsole, was es erlaubt einen Befehl (mit Tab-Completion) auszuführen und sich dann direkt wieder beendet. Dabei ist das Tool sogar so klein, dass es nicht im Hintergrund läuft und auf meine Tastenkombination wartet. Ich muss es selber starten, damit ich es verwenden kann. Also bashrun noch in die rc.xml von Openbox eingetragen, damit ich dieses kleine Tool auch mit WIN+SPACE öffnen kann, und schon habe ich einen wirklich schlanken und schnellen Programmstarter!

Die dritte Applikation, die ich mehr oder minder ausgetauscht habe, war Pidgin. Doch ich verzichte nicht gänzlich auf den handlichen Allround-Chat-Client, sondern habe ihn um ein Frontend erweitert: Finch ist die Konsolen-Anwendung um die Libpurple und verwendet die gleiche Konfiguration wie Pidgin. Dabei ist die NCurse-basierte Oberfläche sehr schön und mit etwas Übung auch intuitiv zu verwenden.
Dagegen ist CenterIM nicht ganz so bequem und muss neben Pidgin/Finch auch noch separat konfiguriert werden.
Was mir bei Finch noch ein bisschen fehlt, sind Benachrichtigungen über neue Nachrichten. Doch aktuell habe ich das Chatprogramm daheim eh nur so wenig wie möglich an, da kann ich auch ab und an selber mal ein Auge auf die Konsole halten (;

LINKS:
Sakura: http://www.pleyades.net/david/sakura.php
Bashrun: http://bashrun.sourceforge.net/
Finch: http://wiki.ubuntuusers.de/Finch

Von Ubuntu zu Arch

Nun war es soweit, nachdem ich bereits auf meinem eee-PC eine Test-Installation von Arch gemacht hatte, habe ich nun auch auf meinem angestaubten Desktop-PC diese Linux-Distribution installiert. Damit ersetzte ich nach gut 5 Jahren Nutzung Ubuntu auf meinem Rechner. Doch an dieser Stelle will ich kein Ubuntu-Bashing betreiben, noch in die alte Diskussion „Ubuntu vs. Arch“ einsteigen. Vielmehr will ich ein wenig auf meine persönlichen Beweggründe eingehen.

Schon länger war ich vom System der Rolling-Distribution fasziniert. In der Praxis heißt diese Versionspolitik, dass neue Software und Updates immer laufend ausgeliefert werden. Feste Release-Zyklen, wie bei Ubuntu gibt es nicht. Man muss also nicht auf Version 10.10 warten, um die neueste Version einer Software zu bekommen, sondern erhält diese direkt, wenn diese in die Repositories eingepflegt wurden.
Natürlich bietet diese Vorgehensweise auch potentiell die Gefahr, dass fehlerhafte Software schneller an den Endnutzer ausgeliefert wird.

Doch dies ist meiner Meinung nach nur ein Feature, kein Must-Have bei einer Linux-Distribution. Für mich schon gravierender war das Gesamtpaket hinter Ubuntu. In der Standard-Installation wurden einige Programme, die ich bevorzuge, durch andere Alternativen ersetzt. Zum Beispiel ist Empathy seit einiger Zeit der Standard, ich bin aber durch einige Vorzüge eher der Freund von Pidgin.
Außerdem wurde einige Software bei der Standard-Installation entfernt, andere hinzugefügt, die ich persönlich nie brauche und so weiter. Also muss ich nach einer Basis-Installation erst mal ungeliebte Software entfernen und meine persönlichen Favoriten installieren. Ein Prozess, der wohl einfacher wäre, wenn ich von Anfang an nur das Installiere, was ich wirklich brauche und will. Und da bietet Ubuntu mir bei der Installation leider keine Auswahl.

Doch selbst, dass ich am System noch ein wenig rumbasteln muss, kann ich gut leben. Selbst, wenn an einigen Stellen die Integration meiner bevorzugten Applikationen in das Gesamtsystem nicht immer ganz rund lief. Was mich dann aber schlussendlich zum Wechsel getrieben hat: Die gesamten Eigenlösungen von Ubuntu!
Als auslösendes Beispiel sei mein DVD-Rom-Laufwerk genannt. Ich habe einen relativ alten DVD-Brenner mit IDE-Anschluss. Und seit geraumer Zeit will der keine CDs mehr erkennen. Nach einiger Recherche fand ich heraus, dass man dem Kernel beim Booten den all_generic_ide-Parameter übergeben muss. Nun versuch mal einer, der noch das editieren der /boot/grub/menu.list gewohnt ist, unter Ubuntu einen Boot-Parameter einzustellen…

Also: Mittlerweile überwogen für mich die Argumente für Arch. Nach der Basis-Installation des Systems habe ich mir alles so installiert, wie ich es auch unter Ubuntu hatte: LXDE mit Openbox als Desktop-Umgebung/Window-Manager, Tint2 als Panel und eben alle Applikationen, die ich schon zuvor hier im Blog erwähnt hatte. Als Login-Manager kommt ein SLIM zum Einsatz und schon startet mein System gefühlt auch richtig schneller. Doch nachweislich kann ich erst mal nur sagen, dass ich weniger RAM mit Arch/LXDE als mit Ubuntu/LXDE verbrauche: Nach dem Hochfahren 130MB gegen 190MB.

Als ich dann Tint2 und meine Openbox eingerichtet habe, ist mir auch aufgefallen, dass unter Ubuntu einige Features nicht so ganz Funktionieren. Zum Beispiel kann ich hier unter OBConf auch die Position von Tint2 einstellen. Unter Ubuntu war der Menüpunkt „Dock“ eigentlich nur eine Zierde… Und so stoße ich immer wieder auf einige Punkte, wo mir Ubuntu doch ein bisschen zu viel „Arbeit“ abgenommen hat.
Als Fazit würde ich also tendenziell jedem Linux-Nutzer, der ein bisschen fitter an seinem System und der Shell ist, zu Archlinux raten!

Doch wie gesagt, ich will auch nicht Ubuntu bashen! Im Gegenteil, ich finde Ubuntu ist eine richtig gute Linux-Distribution, die sich Gedanken um Innovation und Usabillity macht! Alleine für die allgemeine Verbreitung von Linux und analog auch zur Akzeptanz dieses Betriebssystems hat Ubuntu eine Menge beigetragen. Und auch die Community ist eine richtig große und gute Gemeinschaft, wo man auf jeden Fall gute Hilfe und Informationen findet.
Darum würde ich auch jedem Anfänger zu Ubuntu raten. Hier bekommt er vieles abgenommen und wenn alles direkt Läuft auch Out-Of-The-Box ein benutzbares System mit allen (und noch viel mehr) Applikationen, die man für den täglichen Bedarf braucht.