Pro Tape! Warum Demo-Kassetten heute noch sinnvoll sein können

Immer mehr Bands bringen ihre Demos wieder auf Kassette raus. Zumindest in der Metal-Szene. Aber auch in anverwandten Genren härterer Ausrichtung: Hardcore, Punk, Crust, Doom, Grind, etc. Viele Musikfreunde haben durchgehend an diesem Medium festgehalten. Doch mit steigenden Veröffentlichungszahlen finden auch immer mehr Leute langsam zu diesem Medium zurück (ich eingeschlossen).

Und es ist wie immer: Je mehr Leute sich einer Bewegung anschließen, um so mehr und lauter brüllen andere: „Trend“. Und natürlich stimmt diese Aussage, zumindest im Kern. Es ist eine klare Bewegung hin zurück zur alten Schule zu beobachten. Nicht nur in der Metal-Szene! Eigentlich ist „retro“ omnipräsent. Man sieht mehr Hornbrillen denn je auf der Straße. Die Shirts im H&M zieren Schallplatten und Tapes. Die angesagtesten Parties sind 80s und 90s Feten.

Im Makrokosmos des Heavy Metals gibt es diese Renaissance bereits seit längerem. Seit einigen Jahren pilzen immer mehr Black, Death und Thrash Bands aus dem Underground, die sich dem Sound der späten 80er und frühen 90er verschrieben haben. Schnell wurde auch das oft totgesagte Medium Schallplatte wieder in. Da ist die Wiedergeburt der Musikkassette eigentlich nur eine logische Fortsetzung des Trends, oder?

Anfänglich war es sicher ein nettes Gimmick. „Wir sind so retro, wie spielen nicht nur angestaubte Musik, wie veröffentlichen sie auch auf einem altbackenen Format!“ Die „Early Adopters“ haben sicher noch mit dem Exotenbonus glänzen können. Mittlerweile sind Tapes nicht mehr so selten. Dennoch machen sie weiterhin Sinn. Nicht nur, um in der Retro-Welle mitzuschwimmen.

Wir leben in digitalen Zeiten. Doch ehrlich: Wenn man eine coole Band live sieht, will man etwas von denen kaufen. Wenn die Band nun darauf verweist, dass man all ihre Lieder kostenlos auf Bandcamp und Co. runterladen kann, ist das sicher cool. Erinnert man sich am nächsten Tag an diese Option? Ich kenne es auch von mir selber, dass ich lieber mit physischen Formaten umgehe.

Was bleibt als alternative zum Zettel mit der Download-Adresse? Eine gebrannte CDr? Da kann ich auch aus Erfahrung sprechen: Die Lebensdauer dieses Mediums ist erbärmlich. Ich habe hier eine ganze Reihe CDrs rumfliegen, die heute nicht mehr abspielbar sind. Teilweise noch keine zehn Jahre alt. Ganz schlimm sind die mit Aufkleber auf der CD selber. Da löst sich nun der Sticker und nimmt die Reflektionsschicht direkt mit. Böse Geschichte, CD unbrauchbar.

Will man also, dass der Fan etwas länger von der erworbenen Musik hat, muss ein beständigeres Format her. Eine richtige CD zum Beispiel! Doch leider werden diese erst ab Auflagen von 500 Stück gepresst. Das ist eine ganze Menge, und gerade Bands im Demo-Stadium werden wohl vielen Kisten voll unverkaufter und unverschenkter CDs sitzen bleiben. Schallplatten gibt es bereits in kleineren Auflagen. Doch leider sind die Preise dann auch entsprechend hoch. Wer hat schon Bock für 100 Scheiben mal eben 1000 Euro auszugeben? Die Verkaufsmargen sind dann auch verschwindend gering, quasi im Cent-Bereich. Oder die Fans werden die überteuerte Platte gar nicht erst kaufen.

Da kommen nun die Vorzüge der Kassette zum tragen: Das gute alte Tape ist ziemlich robust. Wenn man nicht unbedingt mit einem Magneten oder extremen Temperaturen an die Kassette geht, hält es verdammt lange. Viele Unternehmen machen auch heute noch ihre Datensicherungen auf Magnetband.
Außerdem lassen sich Tapes für vergleichsweise geringes Geld in geringer Stückzahl herstellen. Man ist flexibel, kann mit kleinen Auflagen anfangen und bei Bedarf einfach mehr machen lassen.

Darum machen Kassetten auch heute, in Zeiten von Internet und iPods Sinn. Natürlich funktioniert das Format am besten, wenn man es um digitale Goodies erweitert. Beispielsweise Download-Codes für das Demo. So kann der Fan die Vorzüge beider Welten, der digitalen und der analogen, genießen.

Ein Allheilmittel ist die Musikkassette allerdings nicht. Für ein Full-Length eignen sich weiterhin Vinyl oder die langsam aussterbende CD am besten. Zum einen wegen des Abspielkomforts. Aber primär sicher wegen der doch deutlich besseren Klangqualität. Man sollte man das Tape nicht zum Selbstzweck missbrauchen. Die Zeiten sind lange vorbei. Aber als Mittel zum Zweck, um als junge Band die eigene Musik verkaufen zu können, ist es ein probates Mittel. Aber natürlich nur so lange, wie die Zielgruppe dieses Medium auch akzeptiert und unterstützt. Als am besten im extremen Metal/Crust/Hardcore-Underground. Oder eben bei Hipstern (;

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