Night Train

Wie weit würdest du für einen Schatz gehen, von dem du nicht mal mit Sicherheit sagen kannst, ob er überhaupt existiert? Ist die menschliche Habgier mächtig genug, um ihn zum skrupellosen Mörder mutieren zu lassen?
Eine philosophische Frage, wie man sie aus „The Outer Limits“ oder gar der „Twilight Zone“ kennt. Und für Fans dieser Kultserien ist „Night Train“ sicherlich auch interessant! Mit ähnlicher Erzählweise und gleichsam metaphysischer Story arbeitet dieser Psycho-Thriller von 2009 mit sehr subtilen Mitteln. Teilweise ein wenig zu unterschwellig, doch das schmälert den Unterhaltungsfaktor des Films eigentlich kaum…

Es ist eine eisige Winternacht. Ein Nachtzug hält und eine gehetzte Person schafft es gerade noch vor Abfahrt zuzusteigen. Der Unbekannte begibt sich in ein Abteil wo bereits ein eher mittelmäßiger Schnaps-Verkäufer und eine Medizinstudentin sitzen. Doch als der Schaffner (Danny Glover) dem mysteriösen neuen Fahrgast ein Ticket verkaufen will, ist dieser tot. Zunächst soll dieser Fall gänzlich routiniert behandelt werden: Den Toten beim nächsten Bahnhof ankündigen und dort der Polizei übergeben. Doch bald erregt des Unbekannten Gepäck der Hauptcharaktere Aufmerksamkeit. Dort befindet sich eine Schatulle, durch deren Öffnungen man einen Schatz sehen kann. Doch kommt man weder an den Inhalt ran, noch sind sich die Personen überhaupt einig, was sich für ein Schatz in der Kiste befindet.
Egal, der vermeintliche Inhalt ist den Protagonisten auf jeden Fall so viel Wert, dass beschließen, die Leiche zu zerteilen und diese bei der nächsten Flussüberquerung des Zugs zu entsorgen. Blöd nur, dass schon bald ein Fahrgast hinzukommt, der mit dem anfänglich Verstorbenen verabredet war. Und dass die Polizei von der zerstückelten Leiche mitbekommen hat, und auch von deren Ursprung aus dem fahrenden Zug weiß, macht die Sache für das Trio auch nicht unbedingt einfacher…

Immer wieder werden die Darsteller in sehr fiese und unterschwellige Extrem-Situationen gedrängt, die sie vor die ethische Frage stellen: Ist mir der Schatz, von dem ich nicht mal weiß, ob er existiert, ein weiteres Menschenleben wert?
Dabei wird die gesamte Geschichte in einen schönen, zeitlosen Kontext gestellt. Das Interieur des Zuges hat einen leicht viktorianischen Charme. Doch gibt es auch immer wieder Hinweise, dass alles in der heutigen Zeit spielt. Durch die vornehmliche Handlung in den Abteilen des Zuges entsteht zusätzlich eine leicht klaustrophobische Atmosphäre, die der gesamten Grundstimmung sehr zu Gute kommt. Da kann man auch schon mal darüber hinwegsehen, dass die doch recht kostengünstigen CGI-Animationen vom fahrenden Zug eben nicht so toll sind. In seiner doch sehr BBC-mäßigen Optik wirkt „Night Train“ aber immer noch sehr detailverliebt. Schöne Details, die sich nicht nur im Zug und an Schnitten wie Kameraeinstellungen, die auch etwas an Hitchcock erinnern, zeigen, sondern auch an den Mitfahrgästen, die im Verlaufe doch interessante Wendungen in den Storyverlauf bringen.

Ein Meisterwerk ist „Night Train“ mit Sicherheit nicht. Von Thrill, Action und der beklemmenden Atmosphäre kommt er nicht ganz an den fiesen Plot-Twister „Across The Hall“ ran, der in ähnliche Hitchcock-Richtung schlägt. Doch ist die Ausrichtung des neuesten Films mit Danny Glover in der Hauptrolle eine ganz andere, eben eine viel subtilere. Eigentlich ein schöner Film, um ihn an einem kalten Dezember-Abend mit der Freundin zu schauen.

7.5/10

http://www.imdb.com/title/tt1020055/

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